Polen

Easy Travelling Polen- aber verlass dich auf rein gar nichts!

(Alex) Schnell waren wir durch Tschechien und die Hoffnung auf billigeren Diesel ließ uns mit fast leerem Tank in Polen einlaufen. Eigentlich würde man nach der Grenze eine handvoll Tankstellen erwarten,  aber wir fanden bloß gähnende Leere vor. Abgesehen von einer tip-top asphaltierten Autobahn gab es hier einfach gar nichts. Erst nach 50km fanden wir den ersehnten Treibstoff und wir lernten, dass unser Tank doch mehr als 50L fassen kann. Das war nun erledigt. Was mir aber Sorgen machte war, dass wir Maria, eine gemeinsame Freundin aus Polen, in Katowice am Bahnhof abholen wollten. Ohne Karte, Reiseführer und irgendeiner Idee welche Abfahrt wir nehmen sollten versuchten wir unser Glück. Wir wussten allerdings eins genau! Das polnische Wort für Bahnhof lautet: Dzonek, oder Dzorzek, oder so ähnlich. Nachdem es keine Abfahrt „Zentrum“ gab, nahmen wir einfach die nächste (aus damaliger Sicht), bogen rechts ab (das können wir sehr gut) und fragten den nächsten unter 70-Jährigen nach „Dzwornek“. Wir folgten der eilig angefertigten Skizze und bogen schon bei der nächsten Ampel rechts ab, was auch unser Ziel war! Wir fanden auch prompt einen Parkplatz für unser überlanges Gefährt. Maria dürfte uns gleich gesehen haben und sie war da, bevor ich meine Zigarette angezündet hatte (!). Für mich war das, das Wunder von Katowice. Von hier an wurde es einfach, denn wir konnten ab jetzt das Navi von Maria´s polnischem Handy nutzen.

Krakau und Bodzentyn:
(Sabi): Nun zu dritt unterwegs erreichten wir Krakau nach einer insgesamt 11-stündigen Autofahrt gegen frühen Abend. Meine erste Autofahrt durch Krakau von 2010 ist mir noch sehr genau in Erinnerung geblieben und ich manövrierte unseren Bus mittlerweile etwas übermüdet wieder einmal Mitten durch die Stadt hindurch. Etliche Einbahnen erschweren hier Autofahrern den direkten Weg an ihr Ziel wodurch wir unser Hostel und den daneben befindlichen Parkplatz mit Müh und Not (und Dank Maria´s Navi!) fanden.  Belohnt wurden wir mit leckerer polnischer Küche und natürlich Zywiec, dem wohl besten polnischen Bier!

Gleich am nächsten Tag ging es weiter in Richtung Norden wo wir über das Internet einen netten Campingplatz in der Nähe von Kielce direkt an der Grenze zum Nationalpark Swietokrzyski (Heiligenkreuz) ausfindig machten. Kaum angekommen und nachgefragt war allerdings klar: einen Campingplatz gibt es hier nicht! Vielleicht irgendwo im Norden des Nationalparks, oder vielleicht auch im Süden! Wie auch immer. Wir verbrachten den Nachmittag in der Sonne an einem kleinen See und ließen es uns gut gehen. Irgendwann gegen späten Abend fanden wir dann in Bodzentyn (nördlich des Nationalparks) ein nettes Häuschen mit Campingmöglichkeit. Der Nationalpark Heiligenkreuz ist ein vergleichsweise kleiner Nationalpark mit Waldwanderwegchen und viel Natur zum Genießen. Unsere erste Sightseeingtour führte uns auf den Heiligenkreuzberg (aus unserer Sicht ist dieser zwar einDer 2 Zloty Prinz Hügel aber wir wollen ja nicht angeben) dessen Spitze von einem netten Kloster geschmückt ist. Jedes Kind in Polen weiß, dass sich früher Hexen auf diesem Berg getroffen und ihre Künste ausgetauscht haben. Neben einer Ausstellung zur Geschichte des Klosters befindet sich hier eine Gruft, die für 2 Zloty besichtigt werden kann. Voller Vorfreude auf dunkle Gänge, kalte Steinwände und anderer düsteren Gestalten machten wir uns auf den Weg. Sowie wir die Gruft betraten wurde unsere Vorfreude jäh zerstört. Diese bestand aus lediglich einer einzigen (!) Kammer mit einem Gemälde, dem Sarkophag eines Prinzen aus dem 16. Jahrhundert, sowie einer Klimaanlage, die wohl für Gänsehaut zuständig war. Und das war´s! Huhu….toll!

Unserer guten Urlaubsstimmung konnten all diese kleinen Pannen aber nichts anhaben … nun ja … bis der Regen kam …

Verregnete Tage in Kazimierzk Dolny und ein Kurzbesuch in Pulawy und Zamosz:
(Sabi) In der zweiten Nacht wurden wir vom Regen mehr oder weniger überrascht. Alex und ich merkten davon nicht sehr viel, da wir uns gemütlich im Bus einmurmelten. Bei Maria war dies anders. Obwohl das Zelt in dem sie schlief regen-fest war, wurde sie früh am Morgen vom herab tropfenden Wasser geweckt. Wir hatten vergessen die Abdeckung der Zeltspitze festzumachen und der Regen konnte ungehindert in ihr Zelt eindringen. Was für ein Anfängerfehler!

4 Tage RegenAm Donnerstag zog es uns weiter Richtung Nord-Osten in das geschichtsträchtige Kazimierzk Dolny das so einiges zu bieten hatte … äh … hätte. Da war ja noch der Regen. Viel Regen!
Einen Campingplatz hatten wir bereits vorher schon ausfindig gemacht und wir konnten diesen ohne Probleme finden. Ein absolut empfehlenswertes Plätzchen zum Wohlfühlen! Nachdem sich die Sonne dann doch einmal zeigte, packten wir die Gelegenheit am Schopf und unternahmen unsere erste Wanderung in die umliegenden Lössschluchten. Diese wurde aber schon nach knapp 30 Minuten durch einen heftigen Regenguss beendet. Obwohl wir bis auf die Knochen durchnässt waren und ich verzweifelt versuchte meine Kamera trocken zu halten, war ich über diese Situation noch amüsiert. Sehr ähnlich gestalteten sich unsere nächsten zwei Tage. Sobald sich ein Sonnenfenster anbot huschten wir raus und besichtigten den jüdischen Friedhof sowie weitere Lösschluchten, die für uns wie ein wunderbarer Spielplatz waren.

Den Rest der verregneten Zeit verbrachten wir in einem umfunktionierten Getreidespeicher Alex und sein Schwammerlfundmit Kartenspielen und diversen Bierverkostungen (Vorsicht bitte nicht nachmachen!). Ein kleines Highlight für Alex ergab sich während unseres Besuches des jüdischen Friedhofs. Während ich gespannt über die Geschichte Maria´s Großeltern erfuhr und wir uns über die Situation Polens im 2. Weltkrieg unterhielten, machte sich Alex abseits des Weges auf Erkundungstour. Irgendwo verschwand er den Hügel hinauf und war für die nächsten 15-20 Minuten nicht mehr aufzufinden. Irgendwann wurde unser Gespräch von seinem lauten Rufen unterbrochen: „Ladies, ladies! Have a look what i have found!“ Voller stolz präsentierte uns Alex, der aus irgendeinem Gebüsch hervor kam seinen Fund. Einen Berg voll goldgelb leuchtender Pfifferlinge! Diese wurden natürlich gleich am Abend zu einem köstlichen Abendmahl verarbeitet.

Am Sonntag ging es dann nach Pulawy, wo wir nach einem Kurzbesuch des örtlichen Parks aus Zeiten der Renaissance Maria verabschieden mussten. Das Wetter hatte sich leider noch nicht sehr viel gebessert und die Kälte und ständige Feuchtigkeit zermürbte unser Gemüt ein wenig. Weiter ging es nach Zamosz, das etwa 50km von der ukrainischen Grenze entfernt ist. Wir verbrachten hier 2 Nächte und verabschiedeten uns von Polen, um weiter in die Ukraine vorzudringen. Der Campingplatz, der im Internet mit Sauna, Hallenbad und weiteren Luxusgütern Interessenten umwirbt stellte sich als absolute Niete heraus. Wir fragten „Sauna?“, er meinte „Yes! But closed!“. Wir „Swimming Pool?“, er „Yes! But closed!“. Wir „Restaurant?“, er „Yes! But closed!“. Wir „Internet?“, er „Yes! But it doesn´t work!“. Naja, wenigstens funktionieren die Duschen und Toiletten.

Unseren letzten Abend auf vertrautem Gelände verbrachten wir gemütlich am Campingplatz gönnten uns noch ein letztes polnisches Bier und ließen die letzte Woche Revue passieren.

Polen ist ein schönes und auch abwechslungsreiches Land, das sich im letzten Jahrzehnt zu einem richtig tollen Reiseland entwickelt hat. Unterkünfte werden in fast jedem Dorf sehr günstig angeboten, die polnische Infrastruktur wurde stark ausgebaut wodurch auch einfache Landstraßen geteert und gut befahrbar sind und überall finden sich kleine Geschäfte (Sklep), die für die Grundverpflegung sorgen. Für Reisende mit empfindlichem Magen oder verwöhntem Gaumen stellt Polen ebenfalls keine Hürde dar. Die sehr abwechslungsreiche Küche ähnelt sehr der unsrigen und auch bei Wurst- oder Fleischwaren kann sorgenlos eingekauft werden.

Für uns war in der letzten Woche der sehr gute Straßenzustand besonders auffällig und überraschte vor allem Alex, der Polen vor 10 Jahren noch ganz anders erlebt hatte. Englisch ist in diesem Teil des Landes noch eine Rarität, es ist allerdings jeder bemüht uns trotz fehlender Sprachkenntnisse zu helfen und wir konnten bisher noch alles bekommen was wir brauchten. Prinzipiell zahlt man hier ca. um die Hälfte weniger, als bei uns. Für ein Bier zahlt man hier zwischen 1,0-1,5€, für ein traditionelles Mittagessen zwischen 4-6€ und für eine Nacht am Campingplatz haben wir bisher zwischen 2-7€ bezahlt. Vergleichsweise teuer ist hier der Sprit. Für Diesel zahlt man ungefähr 1,40€/L.
Dieses Bild Polens zeigte sich uns während mehreren vergangenen Reisen im Süden und Westen und wie wir nun feststellen konnten gilt dies ebenso für den Osten des Landes.
Wer also Lust hat tolle Wanderungen z.B. in den Karpaten zu machen, Erkundungstouren in den Wäldern diverser Nationalparks zu unternehmen, oder einfach lieber den beinahe italienischen Flair polnischer Städte zu spüren und dabei keine großen Abenteuer oder Pioniertouren bevorzugt, der ist hier genau richtig!

Ukraine↵

6 Gedanken zu “Polen

  1. Angelika Heinek schreibt:

    Sehr beeindruckender Reisebericht, teilweise hat man grad das Gefühl dabei zu sein
    und macht Lust Polen zu besuchen. Ihr habt den Bericht sehr anschaulich und humorvoll gestaltet – Gratuliere, weiter so. Freue mich schon auf den nächsten Reisebericht!!!!! Drück euch ganz fest Mama Angelika

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  2. Wilhelm Dumfort schreibt:

    Hallo, ihr Weltenbummler! Freut mich, endlich etwas Detailiertes von euch zu lesen – naja, gut Ding braucht Weile. Das liest sich alles ganz interessant und nett, schließlich ist Polen ja ein EU-Land; die wahren Abenteuer liegen sicherlich noch vor euch. Die Wetterlage habe ich mit Bangen verfolgt, wie sich das Tief Richtung Polen verlagert hat. Bei uns herrscht Hochsommer mit Badewetter (wird euch nicht allzu sehr trösten), aber ihr werdet bestimmt noch genügend heiße Tage erleben, wenn ich an die weite Steppe denke, die noch vor euch liegt. Ich wünsche euch noch viele tolle Abenteuer auf eurer langen Reise! VG von daheim!

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