Kasachstan

(Verfasser: Sabi) Nach den erholsamen und aufregenden Tagen an der Wolga packte uns wieder die Reiselust und wir wollten weiter ziehen. Unser letztes Ziel vor Kasachstan war die Stadt Astrachan, die direkt im Wolgadelta liegt. Nachdem wir aus der ersten Unterkunft schon nach 10 Minuten wieder raus geschmissen wurden (wahrscheinlich weil wir uns Registrieren lassen wollten), fanden wir eine günstige Bleibe und nutzten einen Tag, um uns auf die Einreise nach Kasachstan vorzubereiten. Horrorgeschichten, die uns erzählt wurden hallten noch in unseren Ohren und es machte sich wieder ein Gefühl des Unbehagens in uns breit. Dieses Spiel der Nervosität und Normalität spielen wir jedes Mal, wenn wir in ein neues Land kommen. Zuerst waren wir nervös, wie es in der Ukraine sein wird. Bald wurde das Leben dort zur Normalität und beinahe schon Gewohnheit. Man weiß wo man was zu essen bekommt, wie was heißt und wie man sich in diesem Land verhält. Dann stand die Einreise nach Russland an und wieder kam dieses, manchmal doch beklemmende Gefühl in uns hoch. Keine 100km nach der Grenze, wurde für uns das dortige Leben wieder zur Normalität. Und so zieht sich dieses Gefühlsspiel immer weiter und weiter. Kasachstan stand uns nun bevor. Wir wurden vor korrupten Grenzbeamten, skrupellosen Polizisten und den schlechtesten Straßen überhaupt gewarnt. Wirklich gestimmt hat nach unseren Erfahrungen lediglich letzteres und das war nicht einmal so schlimm, wie in manchen Erzählungen geschildert wurde. Der Grenzkram wurde in nicht einmal 2 Stunden abgewickelt. Alle waren korrekt, freundlich und hilfsbereit. Für mich war die Grenze dahingehen etwas mühsam, da Frauen von den Männern getrennt wurden und ich die Zeit mit warten verbrachte. Schließlich sind der Papierkram und das Auto ja Männersache!

Im Gegensatz zu den russischen Straßen verschlechterte sich der Zustand der kasachischen an manchen Stellen extrem. Der Großteil aber, vor allem die Verbindung zwischen Atyrau und Beyneu stellte sich als top asphaltierte Straße heraus und wir konnten mit 80-100km/h durch die kasachische Steppe fahren. Gebremst wurden wir trotzdem. Diesmal von unserem lieben Bus selbst. Etwa 50km nach der kasachischen Grenze meldete sich die Warnleuchte der Temperatur- wir hatten Maximaltemperatur erreicht! Sofort blieben wir stehen und öffneten die Kühlerhaube. Etwas verloren standen wir mit unserer ersten Autopanne da und wussten nicht was tun.  Während wir den Motor abkühlen ließen schmökerte ich in unsrem T4-Handbuch herum. Ein Aufschrei von Alex löste meine Augen von den Seiten des Buches. Er stand da und hielt seine linke Hand mit schmerzverzerrtem Gesicht fest. Ohne darüber nachzudenken hatte er den Behälter der Kühlflüssigkeit geöffnet. Das gesamte Kühlwasser spritzte in einer Fontäne aus dem Behältnis heraus und verbrannte seine Hand. Alex wurde versorgt und der Behälter mit Wolgawasser angefüllt. Da weit und breit kein Dorf in Sichtweite war, beschlossen wir ins nächste weiter zu fahren. Ab und zu war auch wirklich ein Dorf zu sehen, Mechaniker oder dergleichen gab es hier aber keine. So fuhren wir weiter. Zu unserer Überraschung stieg die Temperatur nicht wieder an. Möglicherweise wurde durch das ruckartige Entleeren des Behälters ein verstopfter Schlauch frei geräumt. Wir hatten unseren Bus wieder repariert 🙂 – zumindest vorerst.

Wir fanden bald darauf einen TIR-Parkplatz und verbrachten hier eine Nacht, um am nächsten Tag nach Atyrau weiter zu fahren. Obwohl diese TIR-Parkplätze nicht dem verträumten und romantischen Bild des Kampierens entsprechen, bieten diese sehr viele Vorteile. Zum ersten steht man auf einem abgesicherten Platz und muss sich keine Gedanken um Sicherheit machen. Zum zweiten ist dieser billig und mit etwas Infrastruktur versehen. Dusche, WC, Kaffee und meistens ein Magazin (Lebensmittelhandel) sind hier dabei. Was uns persönlich aber am meisten gefiel, waren die LKW-Fahrer selbst. Dieses mir bisher suspektes Völkchen ist von einer ganz besonderen Art. Die meisten sind vor allem müde von ihrer langen Reise und zeigten sich uns nur selten. Manche aber haben eine ausgeprägt neugierige Natur, kommen offen auf uns zu, fragen uns aus und versorgen uns mit allen möglichen Informationen und Abenteuergeschichten. In Beyneu, kurz vor der usbekischen Grenze, sollten sich diese LKW-Fahrer als ungemein hilfsbereite und gesellige Kumpel entpuppen. Diese Geschichte sollt ihr aber erst im 2. Teil unserer Kasachstanreise erfahren.

Teil 1: Salem Aleikum Kasachstan↵

Teil 2: Westkasachstan- Beyneu↵

Teil 3: Kasachstan die Zweite↵

Teil 4: Almaty↵

Teil 5: Altyn Emel Nationalpark↵

Teil 6: Ostkasachstan- Semei↵

 

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