Japan

Japan ist anders

(Verfasser: Sabi) Wer zum ersten Mal nach Japan reist merkt sehr schnell: Japan ist anders. Im Land der aufgehenden Sonne scheint selbst die Zeit ihrem eigenen Rhythmus nachzugehen und seine Besucher werden von den Kontrasten und Gegensätzen verzaubert. Moderne Wolkenkratzer stehen Seite an Seite mit altehrwürdigen traditionellen Holzhäusern, wunderschöne undurchdringliche Dschungel säumen die Hügel und Berge in deren Täler Asphalt und Stahl in der Sonne glänzen und auch in den Teehäusern, Museen und Supermärkten treffen sich Tradition und Moderne in friedlichem Einklang.

Geschichte trifft Moderne- Tokio

Geschichte trifft Moderne- Tokio

Trotz vieler Eroberungsversuche wehrte sich Japan in seiner Geschichte erfolgreich gegen Eindringlinge fremder Kultur, wodurch die japanische ursprünglich und „rein japanisch“ blieb, was dem Land seinen eigenen Charakter verleiht. Natürlich stolperte auch Japan über seinen daraus erwachsenen Stolz und Hochmut und bezahlte dies sehr oft mit unzähligen Menschenleben. Darüber aber später.

Ein jeder Reisende erlebt mit Betreten des Inselstaates einen Kulturschock und kommt oftmals aus dem Staunen nicht mehr heraus. Diesen in seinem größten Ausmaß zu erleben und noch kontrastreicher zu gestalten ist ganz einfach- man hält sich zuvor eine Zeit lang in Sibirien auf, denn viel gegensätzlicher können zwei Länder gar nicht sein. Erwarten einen unendliche menschenleere Weiten, einfaches und bodenständiges Essen und eine raue Umgangsform in Sibirien, findet man in Japan ein hoffnungslos überfülltes Land, mit einer legendären Küche und den freundlichsten Menschen überhaupt.
Diese ausgeprägte Freundlichkeit und Höflichkeit der Japaner untereinander und uns gegenüber streichelte unsere Seele. Egal wohin wir kamen und was wir taten, überall wurden wir freundlich empfangen. Selbst der Rausschmiss von einem Parkgelände gestaltete sich hier als so höflicher Akt, dass wir fröhlich von Dannen zogen. In Supermärkten, an Tankstellen, in Museen, Tempeln und Klöstern und sogar auf der Straße wird verbeugt und gelächelt bis die Rücken- und Wangenmuskulatur schmerzen. Ließen wir eine Dame über den Zebrastreifen gehen, verbeugte sich diese dankend vor uns. Kauften wir im Supermarkt ein verbeugten sich alle dankend, so als würde unser Besuch ihr Geschäft vor dem Ruin retten und sogar die Feuerwehr meinte es gut mit uns und ließ uns, trotzdem sie mit Blaulicht im Einsatz waren in die Vorrangstraße einbiegen. Ich bin mir sicher, auch sie haben sich verbeugt. Diese Art der Wertschätzung beeindruckte uns nach unserer Sibirientour umso mehr, trafen wir hier nicht selten auf Streithähne und Raufbolde und mussten uns für jeden Kaffee den wir kauften von der grantigen Dame anmaulen lassen. Wie ein schweizer Reisender richtig formulierte, im Gegensatz zu den Japanern „dienen Russen nicht“. Mir tat diese freundliche, wenn auch übertriebene Art richtig gut, denn auch wir beide passten uns an und wurden etwas schroffer, was ganz und gar gegen unser Naturell war. Sehr bald betraten und verließen auch wir jedes Geschäft lächelnd und verbeugend um den Menschen Respekt zu zollen.
Eine Erklärung für dieses Verhalten findet sich wahrscheinlich in der Edo-Ära (1603-1867). Japan war während diesen 264 Jahren von der Außenwelt komplett isoliert und die Bevölkerung wurde mit teils grausamen Methoden „erzogen“. So wurde unanständiges und unhöfliches Benehmen von geheimen Polizisten überwacht und mit dem Tod bestraft. Gehorsamkeit, Respekt und kollektive Verantwortung wurde so gewaltsam unter´s Volk gebracht.

Japan ist anders. Beobachtet man Japaner beim Spaziergang mit ihren Hunden bemerkt

Viel dürfen Hunde hier nicht tun

Viel dürfen Hunde hier nicht tun

man, dass eigentlich die Hunde mit ihren Herrchen spazieren gehen. Ihre Stimme würden sie nur selten zum Zurechtweisen des Hundes erheben und auch an Durchsetzungsvermögen mangelt es ihnen hier stark. Für die Erziehung von ausgewachsenen sturen Schäferhunden kann dies aber doch mal von Vorteil sein. Ähnliches gilt, soweit unsere Beobachtungen ausreichen für ihre Kinder. Die der Japaner versteht sich. Japaner lieben ihre Kinder, können ihnen keinen Wunsch abschlagen und verhätscheln ihre kleinen Wonneproppen so gut sie nur können. Grund zum Weinen und Schreien gibt es somit nur selten was in der japanischen Kultur allerdings als gesund gilt. Daher gibt es das Konaki Sumo Fest, das jährlich in Tokio stattfindet und wo Sumoringer und Priester die Kinder erschrecken, schütteln (sanft natürlich) und in die Höhe heben, um die Kleinen so richtig zum Heulen und Schreien zu bringen. Je lauter ein Kind schreit, desto gesünder ist es und umso stolzer ist seine Familie. Dies ersparten wir uns und unseren Ohren denn die kleinen ungezogenen Plagegeister reichten uns ohne Geschrei schon genug und störten so manchen Museumsaufenthalt ohne, dass Erwachsene erzieherisch eingriffen. Die Disziplin kommt wahrscheinlich erst mit der Schule.

Getrocknete Meeresfrüchte

Getrocknete Meeresfrüchte

Japan ist anders. So auch seine kulinarischen Köstlichkeiten, denen es an Variabilität nicht mangelt. Durch vieles haben wir uns durchprobiert: Sushi, Ramen, Okonomiyaki und andere Köstlichkeiten ließen mein Herz höher schlagen, Alex Gaumen war da aber anderer Meinung. Glücklicherweise gibt es in Japan genügend westliche Alternativen damit Alex hin und wieder satt und zufrieden den Tag beenden konnte und nicht auf die Idee kam, von sibirischer Kost zu träumen.

Teil 1: Ankunft in Sakaiminato↵

Teil 2: Von Iwakuni bis Hiroshima↵

Teil 3: So muss ein Busch↵

Teil 4: Traditionsreiches Kyoto↵

Teil 5: Ja ich will↵

Teil 6: Entgasen und Verduften↵

Teil 7: Kulturgut mit Ablaufdatum?↵

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