8 Stunden Südkorea

Fahrt mit der Eastern Dream:

(Verfasser: Sabi) Es lagen zwei aufregende Tage vor uns, dachte ich zumindest, denn zum ersten Mal würde ich mehr als nur ein paar Stunden auf einem Schiff verbringen. Das muss doch richtig aufregend sein, war mein erster Gedanke und während wir darauf warteten, das Schiff betreten zu können, ließ ich meinem Kopfkino freien lauf. Zuerst einmal müsste ich den gesamten heutigen Tag damit verbringen, das Schiff zu erkunden. Ich stellte mir vor, wie ich von einem Deck ins nächste wanderte, durch eine kleine Einkaufsmeile streifte, darüber nachdachte, ob ich mir den etwas überteuerten Schiffsfrisör gönnen sollte, ihn mir dann genehmigte und mich dann in einen Liegestuhl am Sonnendeck vom Schiff in den Nachmittagsschlaf wiegen ließ. Am Abend würden wir uns dann Schick machen und in der Disco mal wieder so richtig Party machen. Ich hatte das Schiff zwar schon am Vortag gesehen, als wir unser Auto den Hafenangestellten übergaben und war überrascht, wie klein es doch eigentlich war, aber der Schein trügt doch so oft, nicht wahr? In diesem Fall leider nicht, denn die Fähre, die uns für zwei Tage und zwei Nächte besaß war durchaus sehr klein und mit einem eher mageren Unterhaltungsprogramm ausgestattet.

Nachdem wir uns endlich an den vielen Koreaner vorbei gearbeitet hatten und unsere Kabinen bezogen, wurde unsere Vorfreude und Aufregung von Enttäuschung verdrängt. Wir wussten zwar, dass wir die billigste Kategorie gewählt hatten, doch dass wir 245 US-Dollar (umgerechnet 180€) dafür bezahlten, dass wir in einem Raum mit 98 anderen Personen und zudem in unterschiedlichen Gängen untergebracht wurden, war uns dennoch etwas zu viel. Wie sich später herausstellte war entgegen dem was uns unser Agent Juri sagte, die Verpflegung an Bord nicht in diesen 180€ inkludiert. Natürlich hatten wir uns auf seine Aussage verlassen und uns nicht mit Fertignudeln und Getränken ausgestattet, wie es viele andere taten und mussten im heillos überteuerten Supermarkt unser Abendessen erstehen. Die Preise im einzigen Restaurant kann sich jeder selbst ausmalen. Neben dem Restaurant und dem Minimarkt gab es ansonsten noch einen Duty Free Shop, eine Karaoke-Bar und … naja und das war´s auch schon wieder. Wer uns kennt weiß, dass wir nicht sonderlich anspruchsvoll sind vor allem wenn man bedenkt wie wir unsere letzten Wochen verbrachten, aber für diesen Geldbetrag durften wir uns doch ein bisschen was erwarten. Wenigstens ein Frühstück, oder frische Handtücher. Dennoch konnte unsere gute Laune nicht so schnell von so etwas verdorben werden und wir spazierten fröhlich durch das Schiff und machten auch schnell Bekanntschaften. So verbrachten wir unseren ersten Abend mit Gerry und Kat zwei Deutsche, die unserem großen Nachbarn vor einigen Jahren den Rücken zukehrten und ein neues Leben in Australien begannen. Die beiden Auswanderer waren ebenfalls mitten in einer spannenden Reise, denn die zwei wollten von Deutschland nach Australien ohne auch nur ein Flugzeug zu betreten reisen. Wir verstanden uns auf Anhieb und hörten ihren spannenden Geschichten über Reisen durch Afrika, Zentralasien und Australien zu, lernten vieles über die australische Gesellschaft und machten uns über die vielen Koreaner lustig, die entweder an uns vorbei joggten, oder bereits angeheitert an uns vorbei torkelten (was nicht ausschließlich auf den Alkohol zurückzuführen war). Selbst uns fiel es ab und zu schwer geradlinig von A nach B zu kommen.
Zwischendurch tauchten unsere beiden dänischen Freunde auf, die das Glück, oder je nachdem wie man es sieht Pech hatten ein 8-Bett-Zimmer mit einer russischen Familie zu teilen und wurden von den Herren mit Wodka abgefüllt.

Zum ersten Mal seit langer Zeit saßen wir zufrieden da und mussten uns keine Sorgen über Visum, Autoreparatur, oder anderen Schwierigkeiten machen. Wir waren in richtiger Urlaubsstimmung und wurden nach einem atemberaubenden Sonnenuntergang auf hoher See sanft in einen tiefen Schlaf gewogen.

Acht Stunden Südkorea:

Südkorea, ja das kennt man! Südkorea ist das Land mit der Hauptstadt Seoul und das im Konflikt mit Nordkorea steht. Viel mehr weiß man über dieses junge Land, das erst 1948 gegründet und von den Amerikanern freigegeben wurde eigentlich nicht. Auf die Idee einmal nach Südkorea zu reisen wären auch wir beide noch nie gekommen, wahrscheinlich deswegen, weil es außer seiner angespannten Situation mit Nordkorea nicht recht beachtet wird. Da erschien uns die Möglichkeit dieses touristisch noch recht unerschlossene Land für einen Tag zu besuchen richtig wunderbar und wie die kleinen Kinder freuten wir uns darauf, unsere Füße auf dieses Land zu setzen. Ein bisschen fühlten wir uns wie kleine Pioniere, natürlich wohl wissend, dass Südkorea mittlerweile gar nicht mehr so unbekannt ist und immer mehr Touristen den weiten Weg hierher finden. Gerry und Kat gehörten zum Beispiel dazu und somit verabschiedeten wir die beiden am nächsten Tag im Hafen von Donghae. Da die Fähre hier einen Zwischenstopp einlegte hatten wir acht Stunden Zeit, um die Stadt Donghae zu erkunden und wir machten uns schnell auf den Weg, um ja nichts zu verpassen. Dass es eigentlich nicht sehr viel zu verpassen gab wurde uns sehr bald bewusst, denn Donghae ist mit seinen 94.800 Einwohnern ein verschlafenes Städtchen, in dem nicht sehr viel an einem Wochentag passiert. Dennoch genossen wir unseren Landgang sehr und spazierten durch die Stadt, an den Strand und den Spazier- und Radwegen entlang zurück zum Hafen. Unwissend darüber, was in Korea denn so gegessen wird und mit einem Bärenhunger setzten wir uns ins erstbeste Restaurant wo wir die einzigen Gäste waren und schafften es der Dame mitzuteilen, dass wir irgendetwas essen wollten. Sie zeigte uns ein paar eingepackte Rindfleischstücke von denen wir eines auswählen sollten und verschwand wieder in der Küche. Zurück kam sie mit einer Reihe von kleinen Schälchen und breitete diese eins nach dem anderen am gesamten Tisch auf. Das meiste von all dem kannten wir nicht, oder konnten nur erahnen, um was es sich handelte. Das Fleisch wurde auf einer Grillplatte in der Mitte des Tisches selbstständig gebraten und Stück für Stück verzehrt. Bis heute sind wir uns einig, dass dies das beste Rindfleisch war, das wir jemals gegessen hatten und jedes Stück wurde sorgfältig und lange gekaut, um es so lange wie möglich im Mund zu behalten. Das Gemüse und der Salat, den wir dazu bekamen wäre eigentlich genau nach meinem Geschmack gewesen leider verdarb mir ein klitzekleines Detail das volle Mahl- Chili! So viel Chili! Nachdem ich mich durch die einzelnen Schalen durchgearbeitet hatte und das Brennen in meinem Mund vorüber ging, fand ich zwei Schälchen, die für mich genießbar waren und konzentrierte mich auf diese und meine Portion Rindfleisch und genoss meine erste koreanische Mahlzeit sehr.

Ehe wir uns versahen, waren unsere acht Stunden vorüber und wir beeilten uns, um ja wieder zum Schiff zu kommen und nicht als gestrandet gemeldet werden müssen. Obwohl wir beide nie behaupten würden das Land Südkorea zu kennen, gaben uns diese acht Stunden die Möglichkeit über dieses Land, das trotz seiner Anbindung ans Festland ein Inseldasein fristet nachzudenken und uns damit auseinanderzusetzen. Acht Stunden reichen durchaus nicht, um ein Land kennenzulernen, aber acht Stunden reichen, um neugierig zu werden. Es gibt noch so viel zu entdecken!

Die zweite und letzte Nacht auf der Eastern Dream gestaltete sich auf Grund der stürmischen See sehr viel anders, als die erste. Keine 24 Stunden zuvor wuselte es in allen Ebenen des Schiffes von Menschen, die oftmals dem Alkohol verschuldet in andere prallten, sich bücklingsverbeugend entschuldigten und offensichtlich Spaß dabei hatten. Als wir am zweiten Abend durchs Schiff schlenderten erinnerte es an ein Geisterschiff. Ehrlich gesagt waren auch wir beide zunächst damit beschäftigt in unseren Betten zu liegen und dem Drang sich zu übergeben zu widerstehen. Das ganze Schiff war seekrank. Da sich mein Magen nicht unbedingt beruhigen wollte verbrachten wir einen Großteil des Abends damit an der Reling zu stehen und den Horizont im Blick zu behalten, damit das Gefühl der Übelkeit nachließ und dabei war es ein sehr bedeutender Abend für uns gewesen, denn wir hatten Halbzeit! So wurde aus einer fröhlichen Halbzeitparty, eine fröhliche Spei…. ihr wisst schon Party 😉

Japan↵

3 Gedanken zu “8 Stunden Südkorea

  1. Pingback: drive east
  2. Anonymous schreibt:

    Das muss schon ziemlich interessant sein, ein Land, das man sonst nie bereisen würde, dem man ohne Klischee und Vorurteile begegnet, zu besuchen, auch wenn es nur ein kurzer Trip war. Ich finde, ihr seid beneidenswert!

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