Westküste- Hutt River Principality

Langsam aber beständig arbeiteten wir uns der Westküste entlang Richtung Norden und hielten wo auch immer wir gerade Lust hatten. Mit einer Fläche von 2,5 Mio. km² ist alleine der Bundesstaat Westaustralien sieben Mal so groß wie Deutschland, beherbergt aber lediglich 2,3 Mio. Einwohner. 75% der Bevölkerung leben in Perth und die restlichen Einwohner leben vor allem im fruchtbaren Süden. Die an der Westküste gelegenen Städtchen und Dörfer versprühten mit ihren eleganten Häusern im viktorianischen Stil einen unglaublichen Charme. Ein solches niedliches Städtchen ist zum Beispiel Dongara, das uns Schatten und Abkühlung vor der aggressiven Mittagssonne spendete und uns mit seinen riesigen Feigenbäumen bezauberte. Sehr von Vorteil für Reisende ist die Tatsache, dass jede nennenswerte Ansiedlung von Menschen in Australien eine Touristeninformation besitzt und Besucher mit ausreichend Informationen über alle sich im Bundesstaat befindlichen Attraktionen, Nationalparks und Unterkünfte versorgt.

Sehr spät am Abend erreichen wir Geraldton, eine überschaubare Stadt die vom Fischfang, der Schafzucht und dem Tagebau lebt. Überschaubar und äußerst geschichtsträchtig! 1941 wurde der Leichte Kreuzer HMAS Sydney Ziel des Deutschen Kreuzer Kormoran und sank mit der gesamten Besatzung (>600 Mann). Ein Denkmal für die Opfer wurde auf einer Anhöhe in der Stadt errichtet. Täglich finden hier unentgeltliche Führungen statt die über diese Tragödie berichten. Uns wurde wieder einmal vor Augen geführt, dass der Zweite Weltkrieg auch hier, am „Ende der Welt“ statt fand.

Hier erfuhren wir ebenfalls die Geschichte der Batavia, einem niederländischen Ostindienfahrer, der 1625 (also mehr als 100 Jahre bevor James Cook Australien für die britische Krone in Besitz nahm) vor der Küste Westaustraliens auf Riff lief und von überlebenden Seefahrern gemeutert wurde. Interessanterweise waren vor James Cook schon unzählige portugiesische, spanische, französische und niederländische Seefahrer auf australischem Boden, schenkten dem kargen und „unfruchtbaren“ Land jedoch kein Interesse. Dies lag daran, dass sie nur die westaustralische Küste erreichten, die im Gegensatz zur Ostküste nicht sehr einladend wirkte. Naja, wie man so schön sagt: „Manchmal host a Pech!“

Zu Besuch beim Prinzen:

Etwas verunsichert fuhren wir der unbefestigten Straße an bis zum Horizont reichende Weizenfelder vorbei, mit einem bestimmten Ziel. Schon seit Dongara fragen wir in jeder Touristeninformation nach dem begehrten unabhängigen Stück Land hier in Westaustralien, aber scheinbar kennt das hier keiner. „Hutt River Principality?!“ fragte eine freundliche Angestellte. „Nie davon gehört!“ Auch in Northampton, das nur 40km davon entfernt liegt, wollte keiner das Fürstentum kennen. Scheinbar versuchen die Australier den kleinen Scheinstaat zu negieren.
Am 21. April 1979 erklärte der Farmer Leonard George Casley seine Farm für unabhängig und gründete das Fürstentum Hutt River. Seine Abspaltung von Australien war das Resultat eines Streites mit dem Bundesstaat Westaustralien über die den Farmern auferlegte Produktionsquote an Weizen. Nachdem alle Rechtsmittel erfolglos blieben entschied L.G. Casley seine 75kmumfassende Farm vom Staat Australien abzuspalten und übermittelte dem damaligen Premierminister seine Sezessionserklärung. Diese wurde vom Staate Australien weder kommentiert, noch rechtlich (Verstoß gegen die territoriale Integrität Australiens) verfolgt. Die „Bevölkerung“ ernannte sich als Staatsbürger des Hutt River Fürstentums und erklärte L.G. Casley zu ihrem Fürsten.
Bis heute erkennt Australien das kleine Fürstentum nicht als unabhängigen Staat an, übt allerdings keine Staatsgewalt auf dieses Gebiet aus, wodurch z.B. keine Steuern erhoben werden und staatliche Leistungen wie Kindergeld den Bewohnern nicht mehr zustehen. Neben den 23 permanenten Bewohnern, besitzen mehrere Hundert nomadisch lebende Aborigines und bis zu 13.000 weitere Personen die Staatsbürgerschaft des Fürstentums Hutt River.

Es lässt sich also folgendes zusammenfassen: Ein Stück Land besitzt einen eigenen Fürsten, hat eine eigene Währung, Pässe für seine Bewohner, Briefmarken, ein eigenes Wappen, ein Autokennzeichen, freiwillige Söldner und eine Kriegserklärung an den Staat Australien, dennoch wird es als Fantasiestaat abgetan. Allerdings gibt es insoweit konkrete Auswirkungen, dass der Staat Australien in seinem Land keine Steuern erhebt, Bewohnern das Wahlrecht abgesprochen hat und diesen auch keine staatlichen Finanzmittel zur Verfügung stellt, also per se unabhängig ist.

Als wir das Fürstentum, das heute eher als Touristenattraktion gehandelt wird, erreichten, waren wir die einzigen Besucher und wurden vom Fürsten im Rathaus, das gleichzeitig Postamt und Museum ist empfangen. Der mittlerweile über 80-Jährige genoss seinen Auftritt, den er Tag für Tag für Besucher hinlegte sichtlich und hieß uns in seinem Staat willkommen. Zu Beginn brauchten wir natürlich eine Einreisegenehmigung, die er mit einem Stempel in unseren Pass frei gab. Bevor er uns diese gab fragte er uns: „Wie viele Länder haben sie dieses Jahr bereits besucht?“ Wir begannen laut zu zählen und vergaßen zu seiner Zufriedenheit nicht das Fürstentum Hutt River dazu zu nehmen.

In einer anschließenden Führung durch die Hauptstadt Nain zeigte uns der Fürst all seine Schätze, unter anderem einen wunderschönen Roll´s Royce, für den er einen eigenen Chauffeur hat, denn wie er meinte, „einen Roll´s Royce fährt man nie selbst“. Von wem genau er diesen geschenkt bekam ist mir mittlerweile leider entfallen. Immer wieder präsentierte er uns stolz Dokumente und Geschenke großer Persönlichkeiten und ließ uns zuletzt in seinem Thron Platz nehmen. Als sich ein weiteres Auto mit Touristen näherte, verabschiedete er sich von uns und begab sich schnell zurück ins Rathaus/Postamt/Museum um seine neuen Gäste gebührend zu empfangen. Ein bewundernswerter Fürst!

Teil 1: G´day Australia     ↵

Teil 2: Westküste- Nambung Nationalpark     ↵

Teil 3: Hutt River Principality     ↵

Teil 4: Kalbarri Nationalpark     ↵

Teil 5: Wildlife von Westaustralien     ↵

Teil 6: Von Fremantle, Bunbury, Busselton, Margaret River nach Esperance     ↵

Teil 7: Nullarbor und das rote Zentrum    

Teil 8: Der Osten     ↵

 

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