G´day Australia!

Ich schwebe über tief roten Sand, der von der untergehenden Sonne magisch leuchtet. Känguruherden ziehen durch die Landschaft und suchen nach etwas frischem Grün. Ich sehe einen Dornteufel der sich eine kleine Sanddüne hoch kämpft und nach Ameisen sucht. Trotz seines gerade zu grotesken Äußeren wirkt das mit Dornen übersäte Reptil unglaublich grazil. Mir kommt ein Artikel aus einer GEO-Ausgabe in den Sinn: ein ich glaube australisches Biologenteam untersuchte die Haut und Oberflächenstruktur dieser Tiere etwas genauer und behauptete, Dornteufel könnten mit ihren Beinen trinken. „Mit den Beinen trinken!“ musste ich zuerst lachen. Während ich mich durch den Artikel arbeitete stieg meine Faszination für diese kleinen von der Natur ausgeklügelten Geschöpfe immer weiter. Um ihren Körper mit genügend Wasser zu versorgen, behelfen sich die kleinen Wüstenbewohner mit einem zur Perfektion entwickelten Kanalsystem das ihren Körper ummantelt.

Dornteufel- leider ein ausgeliehenes Foto da ich diesen Tieren trotz intensiver Suche leider nicht begegnet bin

Dornteufel- leider ein ausgeliehenes Foto da ich diesen Tieren trotz intensiver Suche nicht begegnet bin

Wassertropfen aus der Luft kondensieren an den Spitzen der Dornen und werden über diverse Kanäle, angetrieben durch den Kapillareffekt zum Maul des Tieres transportiert. Steht unser kleiner Dornteufel also in einer Pfütze Wasser (die es in der Wüste natürlich selten gibt) muss er sich nicht einmal bücken, um zu trinken. Wunderbare Tiere nicht wahr?!

„Ladie´s and Gentlemen as we prepare to land please make sure …“ Die Stimme des Piloten holte mich aus meinen Tagträumereien zurück in die Realität, zurück ins Flugzeug. Gute 13 Stunden ist es her seit wir in Tokio ins Flugzeug gestiegen sind und darauf warten in Perth anzukommen. Von zu Hause aus habe ich immer geglaubt, dass alles im westlichen Pazifik näher beisammen ist und die Distanz von Japan nach Australien doch einen Katzenwurf, äh ich meine einen Katzensprung entfernt liegt. Erneut überraschte es mich, dass wir für die Strecke Sydney-Manila (Philippinen) mindestens acht Stunden in der Luft sein werden was uns zwei Monate später erwarten würde. Wir Europäer denken einfach zu sehr im Kleinen.

Um 6 Uhr Morgens (Ortszeit Perth) landen wir nach einer schlaflosen Nacht endlich im Land meiner Kindheitsträume. Elf ganze Jahre hat es gedauert, bis ich mir diesen Wunsch erfüllen konnte. Dieses Gefühl war einfach großartig. Endlich konnte ich das Land mit dem ich meine Eltern meine ganze Pubertät über nervte und meine Zimmerwände mit Fotografien und Postern von dem berühmten Ayers Rock, den 12 Aposteln, diversen australischen Echsen und Schlangen tapezierte erleben. Meine Sinne liefen auf Hochtouren. Ich durfte ja kein Tierchen übersehen, keinen Geruch entwischen lassen, keinen Windstoß unbeachtet lassen, kein Geräusch überhören. Einfach nichts verpassen!

G´day Australia! Ich unterdrückte meine Freudenstränen nur schwer als wir das Flugzeug verließen. Während Alex nach einer Raucherecke Ausschau hielt stellte ich mich mit unserem Gepäck vor den Eingang des Flughafengeländes und konnte ein dümmliches Grinsen das bei mir fast zwangsläufig mit einer zufriedenen Müdigkeit einhergeht nicht unterdrücken. Damit ihr es euch vorstellen könnt, ich meine dieses Grinsen das sich einstellt, nachdem man eine Schüssel voll Käsespätzle, die die Magenkapazität bei weitem überfordert verputzt hat und müde noch an Ort und Stelle in sich zusammen fällt. Zufriedenheit und Müdigkeit, eine herrliche Mischung!
Unser heutiger Auftrag bestand eigentlich nur aus dem Finden unserer Unterkunft, das durch eine Taxifahrt einfach und schnell ging, uns einzurichten und anzukommen. Ab morgen wollen wir uns dann auf Autosuche machen damit wir bald wieder einen fahrbaren Untersatz haben. Nachdem wir unser Zimmer aber erst drei Stunden später beziehen konnten, nutzen wir die Zeit, um zum Büro für Transport (Department of transport-vehicel and driver licensing) zu spazieren und uns über den Kauf von Fahrzeugen zu erkunden. Schneller als gedacht hielten wir die notwendigen Unterlagen für den Kauf eines Fahrzeuges in der Hand, wussten über die Voraussetzungen und den Ablauf Bescheid und erfuhren über welche Internetplattform Autos gefunden werden können. Schnell besorgten wir uns mobiles Internet, das auf diesem Kontinent gerade zu unverschämt teuer ist und machten unsere erste Einkaufstour in Australien. Auf Gumtree (www.gumtree.com) das australische Pendant zu unserem willhaben.at fanden wir am selben Abend bereits potenzielle Kandidaten und verabredeten ein Treffen. Offensichtlich brauchten wir hier keine allzu lange Eingewöhnungszeit, oder mussten warten bis unsere Köpfe von Japan aus angekommen sind. Wir wollten wieder Asphalt riechen und zwar bald!

Gleich am nächsten Morgen machten wir uns auf in den Kings Park und ließen uns dort von der einheimischen Flora bezaubern. Während einer Führung durch den botanischen Garten erklärte uns ein offenbar sehr kundiger älterer Herr alles was man über die botanische Welt Westaustraliens wissen muss. Details und Einzelheiten hebe ich für später auf, denn unsere erste Autobesichtigung fand am selben Nachmittag statt. Das nette Paar aus Frankreich machte es uns dabei sehr einfach und kam mit ihrem Mitsubishi direkt zu unserer Jugendherberge. Der mit einer Matratze und einer Miniküche ausgestattete Van entsprach in gewisser Weise dem was wir uns vorstellten, am Ende überwogen aber die Nachteile.

Eine Spritztour nach York

Keine Stunde nachdem das französische Paar weg war fanden wir DEN perfekten Camper für uns. Aufgeregt wählte Alex die angegebene Nummer und verabredete uns mit dem stolzen Besitzer dieses Mazda´s für den nächsten Tag. Paul lebte zu unserem Nachteil nicht in Perth sondern im 100km entfernten York. Bus und Zugverbindungen gab es keine und somit besorgten wir uns ein billiges Mietauto. Wir waren uns jetzt schon einig, dass wir diesen Mazda haben wollen. Ohne lange zu überlegen sprangen wir in unseren kleinen gemieteten Stadtflitzer und saßen prompt auf der falschen Seite! Ab jetzt ist das Lenkrad rechts was den Linksverkehr noch etwas kniffliger macht, denn nun muss man sich nicht nur darauf konzentrieren auf der „falschen Straßenseite“ zu fahren sondern, wo man Ganghebel und Blinker findet. Ersteren nämlich links und Letzteren rechts. Fluchend fuhr ich durch Perth und wischte unentwegt unsere Scheiben anstatt zu Blinken. Dem Stadtjungel entkommen führte uns die Landstraße durch Busch- und Farmland und gewährte uns erste Einblicke in die Umgebung. Unser erstes Känguru sahen wir an diesem Tag – leider lag es tot am Straßenrand. Dieses Bild sollte während unseres Australienaufenthalts ständiger Begleiter werden.

Unser neuer Begleiter

Unser neuer Begleiter

Im verschlafenen 2.000 Einwohner Städtchen York fanden wir tatsächlich unseren neuen Begleiter MATE, ein 1986er Mazda E2000 (2WD) mit Klappdach, Gasherd, Waschbecken, Kühlschrank, Bett, ein bisschen Wohnraum und einer Solaranlage. Da dieser ältere Herr schon länger nicht mehr im Einsatz war, war er dementsprechend mit sympathischen roten Staub und nicht so sympathischen Spinnweben bedeckt. Meine Arachnophobie kam sehr schnell wieder zu Tage, denn in einem Netz das sich zwischen Ganghebel und Sitz befand hing dessen Schöpfer ganz ruhig da.

„Also wenn das eine Rotrückenspinne ist nehmen wir ihn nicht!“ scherzte ich mit Alex.
„Paul, do you know this kind of spider?“ fragte Alex nach.
„Let me see, oh i think it´s a redback but it´s just a male and by the way it´s dead,“ entgegnete er uns beiläufig.

Hastig hoben wir unsere Kinnladen wieder auf. Dass das Männchen nicht weiter giftig ist vor allem da es ja tot war wussten wir natürlich, aber wer weiß denn schon ob nicht irgendwo noch das Weibchen quicklebendig lauert? In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass die nächsten Wochen hart werden können. Wie soll ein Arachnophobiker einem Herpetophobiker durch Australien helfen? Mir kommt eine Szene aus meiner frühen Gymnasialzeit in den Sinn. Als mich während eines EDV-Testes mein Professor beim Schummeln mit einem Klassenkollegen erwischt grinste er uns mit verschränkten Armen an und verglich uns mit zwei Blinden, die sich gegenseitig über die Straße halfen. Der hatte gesessen! Dennoch, wir kauften den Mazda und unterzogen ihn vorerst einer gründlichen Reinigung mit Insekten- und Spinnengift.

Nachdem wir 72 Stunden in Australien waren hatten wir also schon unseren neuen Begleiter und konnten los starten und den sechsten Kontinent erkunden!

Teil 1: G´day Australia     ↵

Teil 2: Westküste- Nambung Nationalpark     ↵

Teil 3: Hutt River Principality     ↵

Teil 4: Kalbarri Nationalpark     ↵

Teil 5: Wildlife von Westaustralien     ↵

Teil 6: Von Fremantle, Bunbury, Busselton, Margaret River nach Esperance     ↵

Teil 7: Nullarbor und das rote Zentrum    

Teil 8: Der Osten     ↵

 

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